Weil ein krankhaft hoher Blutdruck häufig mehrere Mitglieder einer Familie betrifft,
vermutet man schon seit längerem, dass die Neigung zu Bluthochdruck zu einem gewissen Teil genetisch
bedingt ist.
Blutdruck ist ein komplexer biologischer Phänotyp, der durch
zahlreiche intermediäre Regelsysteme kontrolliert wird. Diese wiederum werden durch unzählige einzelne
Gene und ihre Varianten definiert. Individuelle genetische Dispositionen und Umweltfaktoren bedingen
schließlich gemeinsam eine arterielle Hypertonie. Weniger als ein Dutzend Gene und ihre Varianten sind
dafür die entscheidenden Risikoträger, doch sind diese genetischen Faktoren noch weitgehend unbekannt
und nur mit erheblichem Aufwand zu entschlüsseln. Die Veröffentlichung der Sequenz des
humanen Genoms und der technische Fortschritt auf dem Gebiet der Genanalyse wird die Aufklärung der
Ursachen von Hypertonie wesentlich erleichtern.
Forscher haben herausgefunden,
dass sich charakteristische Mutationen an zwei Genen, dem CYP3A5- und dem ABCB1-Gen, auf die Regulation
des Blutdrucks durch das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RASS) auswirken. Der Effekt
der mutierten Gene wird dabei durch Salz beeinflusst. So wurden bei den Trägern der Genvarianten mit
steigendem Kochsalzkonsum und zunehmendem Alter ein stärkerer Blutdruckanstieg beobachtet. Damit wird
die Gültigkeit der bekannten Empfehlung unterstrichen, dass Hypertoniker ihre tägliche Kochsalzeinnahme
einschränken sollten.
Andere Forscher entdeckten, dass bestimmte genetische
Varianten des Beta-2-Rezeptors bei Personen mit Bluthochdruck gehäuft auftreten. Beta-Rezeptoren spielen
eine bedeutende Rolle in der Funktion des sympathischen Nervensystems. Dieses Nervensystem wird bei
Stress aktiviert und ist für die Erhöhung von Puls und Blutdruck verantwortlich. Auch die Wirkung der
Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin an Blutgefässen werden u.a. durch Beta-2-Rezeptoren vermittelt.